Erfolgsgeheimnis Storytelling. Oder: Die Kunst des Beobachtens

Von Content für Blogs11 Kommentare

Was ist das Erfolgsgeheimnis eines jeden Blogs und Onlineportals? Gutes Storytelling, so könnte man sämtliche Rezepte auf einen einzigen Nenner bringen.

Was eine gute Geschichte ausmacht, und wie man diesen Schreibstil erlernen kann, das fragten wir die Storytelling-Expertin und Buchautorin (“Storytelling für Journalisten”) Marie Lampert:

Frau Lampert, Storytelling ist nicht nur das „A & O“ erfolgreicher Journalisten, sondern auch die Grundlage eines jeden erfolgreichen Blogs und Bloggers. Von daher kann Ihr Buch jedem empfohlen werden, der sein Blogportal auf eine höhere Qualitätsebene bringen möchte. Lässt sich das Storytelling so einfach lernen, oder braucht es hierzu einer gewissen Begabung?

Es lässt sich einfach lernen. Am einfachsten, indem man sich selbst beim Medienkonsum beobachtet und nachspürt, wann man etwas richtig gern und mit Gewinn gelesen hat. Was genau ist die Qualität des Blogs, des Artikels? Was macht einen zufrieden? Wo ist Resonanz mit dem Gelesenen (Gehörten, Gesehenen) entstanden? Durch diese Art von Dekonstruktion kann man sich gut was abschauen. Menschen mögen Geschichten, und erzählen können sie auch. Wer durch zu viele Semester oder zu viele Fachartikel das Gespür für Storys (vielleicht auch den Mut zum Erzählen) verloren hat, kann den Erzählmuskel so wieder trainieren.

Wie haben Sie persönlich diese Disziplin gelernt?

Genau so. Ich habe versucht, zu verstehen, warum ich manche Radiosendungen oder Artikel toll fand, warum sie mich angesprochen oder berührt haben. Ich wollte das Geheimnis meiner Lieblingsstücke zu enträtseln. Und ich bin auf Handwerk gestoßen, aber auch auf das Herzblut der Autoren. Wenn jemand eine Message hat, das Handwerk beherrscht und beim Schreiben an sein Publikum denkt, kann man das herauslesen.

Viele professionelle Blogger scheitern oftmals bereits daran, die richtigen „Geschichten“ zu entdecken, über die es sich zu schreiben lohnt. Nicht selten übersehen sie dabei den reichhaltigen persönlichen oder auch beruflichen Fundus, aus dem sie eigentlich schöpfen könnten. Gibt es bestimmte Kreativtechniken zur Ideenfindung?

Der eigene Fundus in Verbindung mit professioneller Reflexion ist eine gute Basis. Meine liebste Technik ist die Mindmap. Ich umkreise ein Thema oder eine Fragestellung erstmal spielerisch mit einem Brainstorming und einem Suchraster, das auf fünf Aspekte zielt:

  1. Gibt es interessante Personen, potentielle Hauptfiguren, die mein Thema gut vermitteln oder illustrieren können?
  2. Gibt es Schauplätze, an denen ich etwas Typisches, Erhellendes beschreiben kann?
  3. Gibt es im Zusammenhang mit meinem Thema ein Vorher-Nachher, eine Entwicklung, Szenen, eine Handlung?
  4. Gibt es einen Gegenstand, der das Thema konkret macht?
  5. Welche Hintergründe und Zusammenhänge sind für meine Leser wissenswert, vielleicht sogar notwendig, um die Geschichte einordnen zu können?

Das Beispiel einer MindMap

Wenn ich eine Fülle von Ideen gesammelt habe – und das geht mit der MindMap und etwas Übung in 5-10 Minuten – dann wähle ich diejenigen aus, die für meine Leser am plausibelsten sind, die den besten Zugang schaffen.

Lassen sich die Tipps in Ihrem Buch auch auf eher trockene Materien anwenden, denn ein Autor im kreativen Umfeld hat es hierbei sicherlich leichter als etwa ein Finanz- oder Technikblogger?

Es gibt kein Thema, dass sich nicht vermitteln lässt. Bei den komplexen und trockenen Themen frage ich mich manchmal, ob die Autoren selber eigentlich verstanden haben, worum es dabei geht. Und ob sie wirklich verstanden werden wollen, oder nur für ihresgleichen schreiben. Es gibt Techniken wie die „Leiter des Erzählens“ oder die „Inseln der Verständlichkeit“, mit denen man komplexe Themen veranschaulichen oder konkretisieren kann. Oder den Weg über die MindMap. Die Mühe muss sich der Autor machen. Der Leser ist sonst weg.

Mit zunehmender (schneller) Onlinekommunikation hat man manchmal den Eindruck, das traditionelle handwerkliche Erzähl- aber auch Recherchetechniken eher in den Hintergrund rücken. Können Sie dies ebenfalls beobachten?

Marie Lampert

Die Informationen werden mehr und wir haben schnelleren Zugriff. Und manche Medien geben sie ungefiltert weiter, sie stellen keinen Kontext her. Andere leisten genau das: Erklären, Einordnen, anschaulich machen. Und sie haben Erfolg damit. Bei den Zeitungen allen voran die Süddeutsche und die Zeit. Das sind Autorenzeitungen, Erzählzeitungen, wenn man so will. Man findet solche Stücke gelegentlich auch in Regionalzeitungen.

Oder in den diversifizierten Magazinen: Stern gesund leben, Geo Epoche, Spiegel Geschichte. Oder Brand Eins, oder: Reportagen. Sie alle erzählen die Geschichten hinter den Fakten. Sie stellen Zusammenhänge her.

Was lässt sich Ihrer Meinung nach tun, um hier zu einer vermehrten Rückbesinnung nach ursprünglichen journalistischen Werten und Regeln zu kommen?

So schreiben, wie man es selber gern lesen würde. Und wenn man gut gemachte Texte liest – den Autoren sagen, dass man ihre Arbeit wertschätzt. Bereit sein, für gute journalistische Leistungen anderer zu bezahlen. Sich klar machen, dass ein Urbedürfnis von Menschen darin besteht, die Welt um uns herum zu verstehen und dass wir von Berufs wegen dazu einen Beitrag leisten können.

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